Bericht aus dem Solinger Tageblatt:

 

„Vizazi organisierte die medizinische Versorgung für den Vollwaisen Steven Amunga aus Kenia.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Das Gehen klappt immer besser. Und auch Treppen sind für Steven Amunga inzwischen kein unüberwindliches Hindernis mehr. Physiotherapeut Michele Lo Patricelli ist voller Respekt für die riesige Motivation, mit der der junge Kenianer übt und sich dabei auch von Schmerzen nicht einschüchtern lässt.

Knapp zwei Wochen ist es her, seit Dr. Oliver Voß vom Endoprothetikzentrum am Städtischen Klinikum dem 20-jährigen Waisen aus Kenia eine neue Hüfte eingesetzt hat. Eine Rechnung wird es nicht geben. Das Klinikum trat als Sponsor auf, um dem Jugendlichen, der als Dreijähriger von einem Baum gefallen war und sich seitdem mit der unbehandelt gebliebenen und schlecht zusammengewachsenen Fraktur herumquälte, ein künftiges Leben im Rollstuhl zu ersparen. „Er konnte inzwischen kaum noch laufen, die Schmerzen wurden ständig heftiger“, sagt Operateur Voß. Ärzte in Kenia hatten die Operation mangels Erfahrung abgelehnt.

Steven Amunga ist ein Schützling des privaten Hilfsprojektes „Vizazi“ von Dieter Rappen und seiner Frau Ulla. Selbst als Kind in Nairobi als Sohn von Entwicklungshelfern aufgewachsen, engagiert sich der Solinger schon lange für kenianische Straßenkinder. Seit 2005 mit dem eigenen Verein „Vizazi“. Das bedeutet „Generationen“.

„Wir haben immer auch die noch existierende, erweiterte Familie der jungen Waisen mit im Blick“, erläutert Dieter Rappen. Bewusst haben er und seine Frau sich dafür entschieden, Einzelschicksale zu begleiten, statt beispielsweise für viele nur die Grundversorgung in Form von Lebensmitteln sicherzustellen. „Diese Art von Hilfe versickert irgendwie“, ist seine Ansicht aus jahrelanger Erfahrung. „Wir geben Kindern und Jugendlichen ein Zuhause und die Bildung, die ihnen ermöglicht, mit einem Beruf gut für sich selbst zu sorgen“, sagt er.

Für Amunga geht es nach der Rehabilitation zurück nach Hause

Das koste natürlich Geld: Vizazi finanziert sich ausschließlich aus Spenden, die Dieter und Ulla Rappen unermüdlich zusammentragen. „Manchmal findet sich ein Sponsor, der konkret ein oder zwei Jahre der nötigen Collegezeit für einen unserer Jungs oder Mädchen finanziert“, sagt Rappen.

KLINIKUM 

ZERTIFIKAT Die Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie ist seit 2014 zertifiziertes Endo-Prothetik-Zentrum und damit eine der ersten Einrichtungen dieser Art in der Region. OPERATIONEN In der Klinik werden aktuell rund 300 künstliche Hüft- oder Kniegelenke bei Arthrose oder nach Frakturen von aktuell drei Hauptoperateuren eingesetzt.

Für Steven Amunga geht es nach der Rehabilitation zurück nach Hause. Er möchte aufs College und dann studieren, Berufsziel: Richter. Die erste Etappe auf dem Weg in die Eigenständigkeit hat er geschafft: Die OP ist gut verlaufen, und die Wichtigkeit des physiotherapeutischen Trainings, um die jahrelang nicht benutzten Muskelfasern des Beines an ihre neue Aufgabe zu gewöhnen, ist ihm klar. Die Operation sei tatsächlich aufwendiger gewesen, als es sonst der Fall sei, sagt Voß. „Jahrelang standen Hüftkopf und Pfanne falsch, so dass Folgeerscheinungen zu beachten waren.“ Mit dieser Prothese aber kommt Amunga nun weit.“

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